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GUY BOURDIN - retrospektive | Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg

1. NOVEMBER 2013 – 26. JANUAR 2014

nowART | GUY BOURDIN 2013 - retrospektive - hamburg

Das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg präsentiert das Werk des französischen Fotografen Guy Bourdin (1928–1991).

Selfportait Guy Bourdin, ca 1950th. From the Exhibition "GUY BOURDIN - Retrospective", Deichtorhallen Hamburg/House of Photography, Nov 1 2013 - Jan 26, 2014

Die Protagonisten

Ai Weiwei                                              

*1957 Beijing, China

Installationskünstler

„In seiner über 50-jährigen Schaffenszeit hat Bourdin für die führenden Modehäuser und -magazine gearbeitet. Mit dem Blick eines Malers schuf er komplexe Bilder, die in unglaublichen Kompositionen faszinierende Geschichten in Schwarz-Weiß und Farbe erzählen. Er war einer der ersten Fotografen, der in Werbe- und Modefotografien anstelle eines Produkts eine Erzählung zum Bildinhalt erhob. Mit dem Medium der Modefotografie vermittelte er seine Botschaft und erforschte die zwischen dem Erhabenen und dem Absurden changierenden Bereiche. Berühmt für seine narrativen Bildinhalte und seine surreale Bildsprache, die Verbindung einfacher Objekte mit mehrdeutigen, oft rätselhaften Subtexten, brach Bourdin radikal mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie.



GUY BOURDIN - Pentax-Kalender, 1981. Asahi Optical Company Limited. Tokyo, Japan. Aus der Ausstellung GUY BOURDIN im Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, 1.11.2013 - 26.1.2014.

GUY BOURDIN


Die bisher umfangreichste Guy Bourdin-Ausstellung stellt sowohl eine Auswahl der beeindruckendsten Modestrecken und Kampagnen Bourdins vor, als auch bisher unveröffentlichtes Material aus seinem persönlichen Archiv. Zum ersten Mal ist auch sein malerisches Werk zu sehen. Die Ausstellung verspricht auch Einblicke in die Arbeits- und Denkweise dieses visionären Image-Makers.

Guy Bourdins Karriere begann in den 1950er Jahren mit schwarz-weißen Modeaufnahmen für die Pariser Vogue. Es ist nahezu unbekannt, dass die Hälfte von Bourdins Œuvre aus Schwarz-Weiß-Fotografien besteht, die ebenso kraftvoll sind, wie seine bekannten Farbaufnahmen. Diese Farbfotografie steigerte er mit dramatischen kompositorischen Akzenten und intensiver Farbsättigung zur maximalen Ausdruckskraft.

Im Format der Doppelseite sah Bourdin eine künstlerische Herausforderung. Er behandelte die Doppelseite nicht wie zwei Einzelseiten, sondern als eine Gesamtseite mit Falz. Er schneiderte seine Kompositionen auf die konzeptuellen und grafischen Besonderheiten der Doppelseite zu – das Spiegelbild-Motiv, das zentral für seine Arbeiten ist, findet hier seine Entsprechung: Layout und Design des Magazins werden wichtige Metaphern für das fotografische Medium und sprechen damit Auge und Verstand gleichermaßen an. Während Bourdin formale Elemente benutzte, wollte er gleichzeitig das Realistische der Fotografie überwinden, indem er das dargestellte Motiv ins Surreale abwandelte und die Bildoberfläche unkonventionell manipulierte. Mit seinem kreativen Freigeist und einer kompromisslosen Arbeitsmoral gab Guy Bourdin der Fantasiewelt der Generation der späten 1970er Jahre eine bildliche Entsprechung.

Guy Bourdin fegte sämtliche Schönheitsnormen, sittliche Gepflogenheiten und ordentliche Produktdarstellungen mit einem Strich respektlos weg. Rund um den weiblichen Körper baute er visuelle Verstörungen ein, das Empörende, das Haarsträubende, das Indiskrete, das Hässliche, das Scheitern, das Fragment, die Abwesenheit, den Torso und den Tod, – die gesamte Spannung und Spannweite des Außerästhetischen und Außermoralischen«, so Ausstellungskurator Ingo Taubhorn. Minutiös erforscht Bourdin die Variablen der Modefotografie, zwischen plakativem Posing und subtiler Performance, komplexer Inszenierung und neuartig verstörender Bildauffassung."


Guy Bourdin geboren am 2. Dezember 1928 als Guy Louis Banarés gehört zu den einflussreichsten Modefotografen unserer Zeit.

Fasziniert von den Fotografien Man Rays klopfte er sieben mal an seine Tür, sechs mal abgewiesen von dessen Frau wurde ihm beim siebten Besuch von Man Ray persönlich Einlass geboten. Ray wurde sein Mentor und Freund. Zusammen tüftelten sie immer weiter an neuen Abzugs- und Belichtungsmöglichkeiten.

1955 dann der Durchbruch. Guy Bourdin veröffentlichte seine erste Werbestrecke für die französische Vogue: Chapeau Choc. Francine Crescent die ab 1957 künstlerische Leiterin der Vogue und Verfechterin Guy Bourdins wurde, leitete die 30 Jahre lang währende Zusammenarbeit mit Bourdin ein.

Die strukturelle Einheit seiner Fotos war die Doppelseite. Jedes Bild wurde genau um den Mittelbund des Magazinbundes komponiert. Bourdin galt als obsessiver Formalist. Es dauerte manchmal tagelang bis ein einziges Foto entstanden war. Und genau dieses eine Foto reichte er ein, nicht mehr und nicht weniger.


Nur wenige wissen, dass die große Leidenschaft des Guy Bourdin der Malerei galt. Zeit seines Lebens erschuf er großformatige Gemälde, die in ihrer satten Farbgebung und ihrem Detailreichtum seinen Fotografien in Nichts nachstanden.

Bevor Guy Bourdin auch nur an das Fotografieren dachte malte und zeichnete er sich, schon als Jugendlicher, stundenlang in andere Welten. Er malte Surreales, in satter Farbgebung. Seine Gemälde erzählen Geschichten. Gleich seinen Werbefotografien schaffte er es vielschichtige Erzählungen zu einem Bild zu verdichten. Er erzeugte klaustrophobische Stimmungen in seinen Bildern. Jedes denkbare sexuelle Tabu hielt er mit seiner Kamera fest. Er verlockte die Betrachter eher zum Konsum seiner Geschichten als zum Konsum der Produkte.

Seine erste Bildstrecke für die French Vogue erschein im Februar 1955. In der Serie »Chapeau Choc« lichtete er Haute Couture-Hüte vor Kalbsköpfen und gehäuteten Kaninchen ab, was zu zahlreichen Abonnement-Kündigungen und empörten Leserbriefen führte.“

Deichtorhallen Hamburg

GUY BOURDIN - Vogue Paris – January 1966 - Aus der Ausstellung GUY BOURDIN im Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, 1.11.2013 - 26.1.2014.

Diese und zusätzliche Abbildungen aus der Ausstellung auch groß in der Bildergalerie unten, als Bilderschau oder zum einzeln vergrößern.

ZITATE VON UND ÜBER GUY BOUDIN

„In der Geschichte der Modefotografie war er beispiellos. Irving Penns Arbeit war von einem großen Respekt für Frauen durchdrungen und Avedons Arbeit hat einen sexuellen Aspekt, obwohl noch viele andere Dinge passieren. Bei Bourdin jedoch werden zwei große Themen verbunden. Begehren und Tod. Daher verstören seine Fotos. Es ist fast so, als habe er das Medium für seine persönlichen Zwecke an sich gerissen. Er kann auf so erstickende Weise persönlich sein wie Diane Arbus – man hat das Gefühl nach Luft schnappen zu müssen.“

Philippe Garner (Senior Director von Sotheby ́s, Experte für Fashion und kommerzielle Fotografie.)


„Ich will der beste Fotograf in der Welt sein. Mit meiner Arbeit will ich der Beste sein. Das heißt ich arbeite, um der Beste zu sein.“ Guy Bourdin


''Guy war in der Modefotografie eigentlich der Einzige, der Kunst schuf.'' Albert Watson, 1994, Ebd.


„Bourdin war ein echter Künstler, ganz eindeutig.“ Jean-Baptiste Mondino